Wanderung des Monats | Bonn und Siebengebirge entdecken
Panoramablick vom Himmerich

Meine Einladung zur Sommerwanderung im südlichen Siebengebirge

Zauberhaft schön Himmerich und Mucherwiesental

Der südliche Teil des Siebengebirges ist deutlich weniger besucht als andere Regionen des Naturparks. Auf den schattigen Waldwegen zum steinigen Himmerich und ins liebliche Mucherwiesental lassen sich Ursprünglichkeit und Abgeschiedenheit genießen. Ausgangspunkt ist der Mucherwiesenweg, den man über die Schmelztalstraße (Hauptstraße) oberhalb von Bad Honnef auf dem Weg nach Aegidienberg erreicht. Unsere Wanderung beginnt genau 300 Meter nördlich der Bushaltestelle Bergischer Hof.

Wir verlassen den Mucherwiesenweg gleich an der ersten Gabelung an einer Pferdekoppel und gehen links in den Servatiusweg. Rechterhand liegt der historische Steinsbüscherhof, der ehemalige Gutshof ist heute eine sogenannte Schönheitsklinik. Wir folgen dem asphaltierten Sträßchen vorbei an knorrigen alten Obstbäumen bis zu einer Linkskurve: In einiger Entfernung ist ein letztes Wohnhaus auszumachen, geradeaus vor uns liegt schon der Himmerich. Hier führt nun ein schmaler Pfad geradeaus in einen herrlichen Buchenwald. Vogelrufe, zartes Blätterrauschen und das leise Gurgeln einer Quelle begleiten uns ein Weilchen und wir genießen den würzigen Duft von Holz und Moos. Der Pfad schlängelt sich sanft bergan, bis wir auf den Rheinsteig stoßen und dem Hinweis auf einem Markierungsstein „Himmerich 2,0 km“ nach rechts folgen. 

Der teils geschotterte Forstweg wird breiter und an einigen sonnigen Freiflächen zeigen sich die Folgen der Hitzesommer der letzten Jahre: Wild wachsende Gräser, Fingerhut und Brombeere, junge Birken und andere Pionierpflanzen wachsen jetzt dort, wo Fichten extremen Temperaturen, Wassermangel und zuletzt dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind. Wir finden auf unserem stetig ansteigenden Weg aber auch junge Nadelgehölze und Ilex, die im Schatten des Mischwalds ihr Glück versuchen. An den Wegesrändern strahlen Ehrenpreis, Sternmiere und Butterblumen in leuchtenden Farben um die Wette.

Wir stoßen auf einen weiteren Markierungsstein mit mehreren Hinweiskreisen, wir beachten den „Himmerich-Rundweg“. Von hier aus lässt sich der Basaltfelsen auf einer Forststraße in einem großen Bogen links umwandern, von der Rückseite her können wir ihn dann besteigen. Eine Variante: Wir gehen noch ein paar Minuten auf dem Rheinsteig weiter. Auf einer Kuppe entdecken wir links den ansteigenden Naturpfad, der auf den letzten Metern recht steil wird (hier können mitgeführte Wanderstöcke zum Einsatz kommen). Wir stoßen auf ein Aussichtsplateau mit Bänken unterhalb des Gipfels des Himmerichs mit seinen charakteristischen Gesteinssäulen. Einst wurde hier Latit in großen Mengen herausgebrochen. Wir finden außerdem Informationen über ein großes Ferienheim, das ab 1920 an diesem ehemaligen Steinbruch vom Touristenverein Die Naturfreunde erbaut worden war. Das idyllisch gelegene Naturfreundehaus zog seinerzeit unzählige Gäste aus ganz Europa an. Im Jahr 1933 wurde es von den Nazis, die die Freigeister ablehnten, zerstört.

Auf diesem aussichtsreichen Platz laden einige Bänke zur Rast ein. Wir gehen jedoch ein Stück rechts um den Berg herum und nehmen den 2. Pfad links hoch, um in kurzer Zeit auf den Gipfel des Himmerichs zu gelangen. Dieser Naturpfad mutet fast ein wenig alpin an: Wilde Latitbrocken liegen links und rechts des Weges herum. Dieser Aufstieg lohnt sich aber, den von oben hat man einen phänomenalen Ausblick: Vor uns liegt das Rheintal, in einiger Entfernung entdecken wir die Burgruine Drachenfels, gleich daneben den Südhang der Wolkenburg und das markante Hotelgebäude auf dem Petersberg. Unter strahlendem Himmel mit weißen Wolkentupfern rasten wir entspannt auf den Felsen und genießen das mitgebrachte Jausenbrot. Das Fehlen von Waldgaststätten weit und breit bedauern wir keine Sekunde. 

Wir steigen auf gleichem Wege vorsichtig wieder ab, wenden uns nach links und folgen dem Waldweg 200 m bis zu einer Kreuzung: Wir gehen rechts ein Stück die asphaltierte Straße entlang, biegen bei nächster Gelegenheit rechts und gleich noch einmal rechts ab, um auf genau den Forstweg zu gelangen, von dem aus wir zum Plateau des ehemaligen Steinbruchs hochgestiegen sind. An dieser Stelle biegen wir nun dem Rheinsteig-Symbol folgend links ab. Der teils steil abfallende Naturpfad kann im unteren Teil auch im trockenen Sommer mit einer matschigen Passage überraschen. Deshalb lassen sich mit Glück auch Feuersalamander, Erdkröten oder andere Tiere, die außer Wärme auch Feuchtigkeit brauchen, beobachten. 

Kulturinfo: Muche ist ein umgangssprachliches Wort für Frösche. Sie finden an vielen Quellen und Bächen des Siebengebirges ideale Lebensbedingungen, nicht nur im Mucherwiesental.

Weiter unten stoßen wir auf ein asphaltiertes Sträßchen. Es ist schon wieder der Mucherwiesenweg, dem wir rechts durch einen herrlichen Mischwald folgen. Begleitet werden wir nun vom munter fließenden Weidenbach, der im Winter mehr, im Sommer weniger Wasser mit sich führt. Dort, wo ein ländlicher Hof mit Weiden in Sicht kommt, laden rechterhand das Holzschild „Mucherwiese“ und eine „45“ auf einem Felsbrocken zu einem Abstecher ein. Hier zitiert die Autorin gern den Verein: „Am Rande des Naturschutzgebietes Siebengebirge liegt der historisch gewachsene Bio- und Kulturhof Mucherwiese. Die Vielfältigkeit auf kleinem Raum macht diese grüne Insel zu einer reichen Schatzkiste der Natur. Zugleich schafft sie einen besonderen Rahmen für die Landschaftspflege sowie für das Leben und Wirken auf der Mucherwiese, das durch Bewohner/innen, Helfer/innen und Gäste geformt wird“. Wanderinnen und Wanderer dürfen sich also eingeladen fühlen, an einem Teich vorbei über das Gelände mit mehreren Wohngebäuden und Ställen, fachkundig angelegten Gemüsebeeten und Schafswiesen zu spazieren. Man darf an einem der gemütlichen schattigen Plätze ausruhen und kann sogar in einem Großzelt (nach Anmeldung gegen Gebühr) übernachten. Selbstredend sollte man die Menschen, die hier leben, nicht stören. Aber die generationenübergreifende, selbstverwaltete Hofgemeinschaft von Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen ist sehr gastfreundlich. Der gemeinnützige Verein Mucherwiese e.V. versteht sich als gemeinwohlorientierter Ort mit „Raum für innere Einkehr und Begegnung“. 

Kulturinfo: Der Maler und Bildhauer Walther Priebe gründete die Hofgemeinschaft 1935 auf anthroposophischer Grundlage. In politisch bedrohlichen Zeiten wurde die Mucherwiese zur Zufluchtsstätte für viele Menschen, darunter etliche Künstler. 

Wenn es auch keine Bewirtung gibt: Wir verlassen das paradiesisch wirkende Refugium seelisch gestärkt und bereichert. Wir wandern an ausgedehnten Wiesen, auf denen Pferde friedlich grasen, entlang. Ein Reitplatz kommt in Sicht und dann ist es nicht mehr weit bis zum Ausgangspunkt unserer Tour an der Schmelztalstraße. 

Wer nach Einkehrmöglichkeiten sucht, wandert 800 Meter an der Straße entlang in die Fußgängerzone Bad Honnefs und wird mit Sicherheit fündig. Dort gibt es vom Eiscafé biz zum Restaurant für jeden Geldbeutel und jeden Appetit etwas Passendes. 

Das möchten Sie sicher wissen: Die Rundwanderung ist 7 Kilometer lang und dauert etwa ohne Pausen etwa 2 Stunden. Es sind 230 Höhenmeter auf Wald- und Forstwegen, Pfaden, teils Asphalt zu bewältigen. Sie bietet im Sommer viel Schatten, eignet sich aber für jede Jahreszeit und macht auch mit Kindern Spaß.

Zum Nachlesen und Vorbereiten: Wandern für die Seele Siebengebirge Tour 14 Seite 129 ff.

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